Die Laufmasche

Heute befasse ich mich mit einem Thema, das eine Alternative zu den üblichen Veröffentlichungen darstellt. Also keinerlei Erwähnung von Krieg, Terror, Asylanten, Extremisten, Hass, Populismus udgl. Ein Thema, so unschuldig wie ein frisch geschlüpfter Hundewelpe, und so harmlos wie die Stürmer der Österreichischen Fußballnationalmannschaft. Und doch ein Thema, das geeignet ist, so gut wie jede Frau emotional aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ladies and Gentlemen: Es geht um den schlimmsten Feind der strumpfhosentragenden Frau: Die Laufmasche!

Fast könnte sie einem Leid tun. Die Laufmasche ist verhasst. Man versucht alles, um ihr Auftauchen zu verhindern. Erscheint sie trotzdem auf der Bildfläche, und das tut sie irgendwann auf jeden Fall, es ist bloß eine Frage der Zeit, dann verbreitet sie blankes Entsetzen und Panik. So wie bei der gemeinen Zecke, bleibt ihre Existenzberechtigung weitestgehend im Verborgenen.

Obwohl, diese Behauptung ist nicht ganz richtig. Bekanntermaßen gibt es, hauptsächlich unter den Herren er Schöpfung, eingefleischte Strumpfhosenfetischisten. Manchen genügt der Anblick eines bestrumpften Frauenbeines bereits, andere erfahren wiederum eine Steigerung ihrer Erregung, wenn sie der Dame des Vertrauens beim Sex die Strumpfhose vom Leib reissen können. Die sind also eher entzückt beim Anblick einer Laufmasche, könnte man, ihrer Ansicht nach, doch ganz ungeniert dort weitermachen, wo das Unglück seinen Anfang(slauf) genommen hat…

Bei den Frauen jedoch steigt die Qualität des Ärgers parallel mit zunehmender Preisklasse der Strumpfhose. Sorgt eine Laufmasche in der € 2,90-Diskontstrumpfhose nur dann für Unbehagen, wenn man unterwegs ist und darauf vergessen hat, eine Ersatzstrumpfhose einzupacken (Merke: die Frau von Welt sollte immer ein zweites Stück dabei haben), erfährt das gleiche Missgeschick bei der € 49-Strumpfhose von Palmers eine ganz andere Dimension. Man geht beim Öffnen der Plastikverpackung wie beim Entschärfen einer Atombombe zu Werke, nur um in weiterer Folge, sobald man das erste Bein der Strumpfhose über den Fuß gezogen hat, erst recht den Erzfeind zu erblicken. Nun kann der Beobachter ohne Schwierigkeiten in die Tiefen der weiblichen Psyche hinabtauchen. Je nach Belastbarkeit der Frau wird man Zeuge von verhaltenem Kichern, das sich zu einem hysterischen, und immer verzweifelter klingendem Lachanfall entwickelt, oder es eröffnet sich einem ein bis dato im Verborgenen schlummerndes südamerikanisches Temperament, das sich durch lautes Schimpfen und Fluchen äussert, ohne dazwischen Luft zu holen. Dieser Vorfall ist also bestens geeignet, Verhaltens-studien an den Mädls dieser Welt durchzuführen. Es wundert mich, warum die Großen der Psychologie hier noch nicht tätig wurden.

Natürlich gibt es auch die sogenannten „Laufmaschenfreien“ Strumpfhosen. Sie versprechen ein Ende der Laufmaschen. Was natürlich trotzdem entstehen kann, sind Löcher. Und das nervt mindestens genauso, vor allem, wenn man eine schwarze Strumpfhose trägt, und plötzlich am Unterschenkel ein riesengroßes Loch klafft. So wie es mir schon mal passiert ist, als ich mit meiner Freundin im „Motto am Fluss“ zum Dinner zugegen war, natürlich aufgebrezelt mit einem Kleid, Pumps und schwarzer Strumpfhose. Flugs am Tischbein hängen geblieben, wo sich offenbar ein einziger kleiner Span vom übrigen Holz abgehoben hat, und schon war besagtes Loch an der Wade sichtbar. Natürlich hab ich immer eine Ersatzstrumpfhose in der Handtasche, also ging ich auf die Toilette und wechselte. Kaum nahm ich wieder am Tisch Platz – streifte ich erneut am Tischbein, und diesmal war das Loch sogar noch größer. Ok, man kann es auch Dummheit nennen, aber normalerweise zerstöre ich selten Strumpfhosen, zumindest nicht unabsichtlich 😉. Aber nach diesem Doppelmissgeschick war der Abend natürlich gelaufen, denn ich fühlte mich nun noch mehr beobachtet, und bildete mir ein, dass alle über mein schlampiges Äusseres herzogen und ich, stellvertretend für alle Transfrauen, in der Luft zerrissen wurde. Zu allem Überfluss trafen wir dann auch noch unseren Hausarzt samt Gattin, die uns an ihren Tisch einluden. Grundsätzlich sehr nett, aber ich fühlte mich natürlich extrem unwohl, weil unvollständig. Da kann einem die Psyche schon ziemliche Streiche spielen.

Und jetzt ein kleiner Exkurs für jene Männer, die ihre Frauen mit Fachwissen beeindrucken wollen: die Stärke bzw Dichte einer Strumpfhose wird in Den (Denier) eingeteilt. Denier bezeichnet die Stärke des Garns. Desto mehr Denier, desto blickdichter. Ein Den von 5-9 bezeichnet eine ultradünne Strumpfhose, ein Hauch von nichts, wo man fast befürchtet, sie reisst alleine vom Ansehen. Sie sind vor allem für den Sommer ideal. Ab 60 Den spricht man von blickdicht (Opaques), wo also von der Haut kaum bis gar nichts mehr zu sehen ist. Alles klar?

Grundsätzlich bin ich eine Befürworterin von Strumpfhosen. Ich finde, ausser bei Flip-Flops sollte Frau immer welche tragen. Strumpfhosen machen einfach schönere Beine. Und das macht uns in weiterer Folge doch alle glücklich, oder?

Palmers, Baumgartner, Milborn und die Political Correctness

Das Dessous- und Strumpflabel Palmers hat sich also wieder einmal erdreistet, halbnackte Damen für ihre Werbezwecke zu missbrauchen. Sie als Sexobjekt hingestellt, hirnlos und nur für das eine zu gebrauchen. Aber es kommt noch schlimmer: zu Ostern wurde ein Plakat veröffentlicht, unter dem Titel „unsere Osterhöschen“ rekeln sich 6 junge, schlanke Models, nur mit Höschen bekleidet, bäuchlings auf einem Teppich. Und durch die Fenster rieselt Erde in das Zimmer.

Das hat gereicht, um im Netz einen Shitstorm auszulösen! Das Foto erinnere an Menschenhandel, man würde nackte Kinder darstellen, sei sexistisch und fördere Magersucht. Besonders die Puls-4-Moderatorin Corinna Milborn stieß sich an dem Plakat, wie sie in einem, inzwischen verschwundenen, Facebook-Posting die Öffentlichkeit wissen ließ. Und jetzt nimmt die Komödie ihren Lauf. Wie so oft bewahrheitet sich, dass das echte Leben um vieles besser und bizzarrer ist, als es sich die besten Kabarettisten auszudenken in der Lage wären. Denn plötzlich fühlte sich Österreichs berühmtestes Sauerstoffmangel-Opfer und Supermacho Felix Baumgartner bemüßigt, uns aus dem sonnigen Los Angeles seine Sicht der Dinge über das Plakat und Milborn mitzuteilen. Und zwar, indem er sich seinerseits in einem Facebook-Posting über Milborn’s Figur lustig machte und weiters meinte, er fände die Mädls auf dem Palmersplakat „..weltklasse und springe da gerne mal dazwischen rein, auch ohne Fallschirm!“ Ah ja….

Nun sind ja B-Promis nicht gerade dafür bekannt, es irgendwann gut sein zu lassen. Im Gegenteil, sie müssen, wie es bei Personen, die an Minderwertigkeitskomplexen leiden, nun mal so ist, immer das letzte Wort haben. Also ließ die Antwort von Milborn nicht allzu lange auf sich warten. Womit sie allerdings den Vogel abgeschossen hat. Denn, unter anderem, schrieb sie folgendes als Antwort auf Baumgartner’s Posting: „Ich will nicht, dass Ihr Facebook-Posting – mit dieser Reichweite – dazu führt, dass irgendeine Frau da draußen das Gefühl hat, sie müsse sich erst irgendwelchen Schönheitsvorstellungen von Leuten wie Ihnen beugen, bevor sie in der Öffentlichkeit den Mund aufmacht.“

Natürlich haben Milborn’s Anhänger(innen) sie, offenbar ohne auch nur einen Moment über diese Äusserung nachzudenken, frenetisch gefeiert. Als Vorbild, als starke Frau, die sich traut, in der Öffentlichkeit ihren Mund aufzumachen. Nun, meiner Meinung nach sollte sie das vielleicht besser bleiben lassen. Denn wenn man sich den zitierten Satz mal anschaut, ist der eigentlich an Frauenfeindlichkeit kaum mehr zu überbieten. In Milborn’s Posting wird Frauen unterstellt, dass sie nicht in der Lage sind, eigenständig zu denken. Sie werden als hirnlose Objekte hingestellt, die sich durch die Aussage eines Möchtegern-Helden tatsächlich in ihrem Lebensstil und ihrer Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen lassen. Starker Tobak!

Ich weiß nicht, in welchen Kreisen Frau Milborn verkehrt, aber die Frauen, die ich kenne, können über solche armseligen Aussagen nur lachen. Von denen würde sich keine einzige auch nur einen einzigen Gedanken über ihr Aussehen machen, wenn sie zu irgendwelchen Themen „den Mund aufmachen“ wolle, wie es Milborn bezeichnet. Diese Frauen, die ich kenne, waren auch schon stark, bevor ihnen von diversen Vertreterinnen der feministischen Zunft eingeredet wurde, dass sie es eigentlich nur sein können, wenn in der deutschen Sprache alles und jedes „gegendert“ wird. Und ihr Wohlbefinden und normalgeistige Entwicklung nur durch die Erwähnung der unsäglichen und künstlich hinzugefügten „Töchter“ in der, nun verschandelten, Bundeshymne gewährleistet werden kann.

Die Tatsache, dass Milborn trotzdem von vielen Frauen, ob ihrer Aussage, als Vorbild bezeichnet wird, lässt bei mir allerdings leise Zweifel aufkommen. Es zeigt, wie schnell unüberlegtes und blindes Gehorsam, ohne auch nur im geringsten den Gehalt einer Aussage zu hinterfragen, zur Massenbewegung werden kann. Oder es ist einfach wieder einmal ein Beispiel dafür, was Politische Korrektheit, oder besser gesagt, das unhinterfragte Ausleben derselben, anzurichten imstande ist. Für mich ist Political Correctness eine der Geiseln unserer Zeit, die unser Leben erschwert, und das Zusammenleben, durch absurdeste künstliche Regulative, zum Teil unmöglich macht. Und dagegen gehört angekämpft.

Die Menschheit, die unrühmliche Spezies…

Gerade lese ich auf Facebook die Geschichte über einen 4jährigen Buben, der seinen Kampf gegen den Krebs verloren hat. Bei solchen Anlässen bin ich nahe am Wasser gebaut und kann meine Tränen kaum zurückhalten. Und im Endeffekt ist es egal, ob die Story erfunden oder wahr ist, sie regt auf jeden Fall zum Nachdenken an. Nämlich darüber, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Denn zur gleichen Zeit überschlagen sich die Zeitungen und Newsportale mit Meldungen über die furchtbare Giftgas-Attacke in Syrien. Dass jeglicher seriöse Anspruch über Bord geworfen und, ohne jegliche Beweise, je nach Sympathie, dem syrischen Regime oder eben den Rebellen die Verantwortung für dieses Verbrechen zugeschoben wird, sei hier nur am Rande erwähnt.

In Stockholm, Berlin und Nizza fahren abartige Religionsextremisten mit LKWs unschuldige Menschen nieder.

In Tschetschenien werden, in einer beispiellosen Säuberungsaktion, hunderte homosexuelle Männer, vermutlich von Regime-Schergen, verschleppt und misshandelt. Drei Männer sollen dabei angeblich bei lebendigem Leibe begraben worden sein.

In der Türkei werden Journalisten, weil sie unangenehme Fragen stellen oder kritisch gegen Präsident Erdogan schreiben, kurzerhand eingesperrt.

In den USA gibt es einen Vizepräsidenten, der Frauen das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper entziehen möchte, indem er sich dem Kampf gegen Abtreibung verschreibt.

In Saudi-Arabien werden Frauen ganz offen als Menschen zweiter Klasse behandelt. Was die Vereinten Nationen nicht davon abhält, zuzulassen, dass dieses im Mittelalter steckengebliebene Land nach wie vor im Human Rights Council sitzt. Und diese Organisation sich damit einmal mehr selbst ad absurdum führt.

Es ist genug.

Tiere handeln aus Instinkt. Manche haben ausgeprägtere soziale Verhaltensweisen, andere weniger. Aber prinzipiell sind sie nicht von vornherein vorsätzlich bösartig, sondern steuern ihr Tun, um zu überleben.

Wir Menschen haben uns eigentlich evolutionär weiter entwickelt. Abgesehen davon, dass wir aufrecht, auf zwei Beinen, gehen können, haben wir auch emotionale Fähigkeiten. Das hat es uns ermöglicht, für uns zu entschieden, was Gut und Böse ist. Im großen und ganzen herrscht hier auch, gesellschaftsübergreifend, Einigkeit. Aber eben nur im großen und ganzen. Denn die Ausnahmen, von denen einige oben aufgezählt wurden, machen uns das Leben zur Hölle. Und das verstehe ich einfach nicht.

Wir könnten ein wunderbares Leben führen. Wir alle. Dieser Planet ist so wunderschön und lebenswert. Wir könnten aufeinander achtgeben, unsere Freundschaften pflegen, uns selbst verwirklichen. Warum muss man das alles unbedingt auf Kosten anderer machen? Kann man Menschen nicht einfach in Ruhe leben lassen? Egal, ob jemand Frau, Mann, Trans, Schwul, Christ, Muslim, Atheist, Weiss, Schwarz, oder was auch immer ist. Warum bilden sich manche ein, dass es weh tut, wenn ein Mensch nicht dem anderen gleicht? Wir sind ja alle Menschen. Und wir haben ein Recht darauf, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. ALLE!

Warum gibt es einige abartige Individuen, die anderen dieses Recht auf Selbstbestimmung wegnehmen wollen, und denken, sie wissen besser, wie man sein Leben zu führen hat? Es kotzt mich wirklich an! Wir Menschen sollten doch die führende, intelligente Spezies auf diesem Planeten sein. Aber das, was wir aus unseren Fähigkeiten machen beziehungsweise, wie wir diese einsetzen, lässt eher darauf schließen, dass wir die größte mögliche Fehlkonstruktion sind, die jemals diesen Planeten bewohnt hat. Und das macht mich unendlich traurig.

Wir sind drauf und dran, uns gegenseitig auszurotten. Man kann nur hoffen, dass die uns nachfolgende Spezies sich besser entwickelt, und die Menschheit somit lediglich ein unrühmliches „Hoppala“ in der Weltgeschichte darstellt.

Rushing for acceptance: slow down!

For the first time in english. This article was featured in the magazine „Transliving“ , issue 54

There is a small number of Trans people who are lucky enough to find a partner who not only accepts them as Transgender, but who even likes their lifestyle and who they are. This rare partner can also be supportive to the point of wanting to join in the activities and experience that side of life. To find out if you are lucky enough to have such a partner, the questions you have to face are:

How do I come out of the closet?

Is there enough trust?

What could be the aftermath of an outing?

You have to come up with these questions before you decide to afflict your partner (yes, to afflict.) We can choose to see through rose-colored glasses as much as we want, but for the majority of women, this is a strain. Most of the time, coming out takes place after the relationship has already reached a certain stage. It is understandable that many of our partners panic at first, and very often it is our own fault. Let’s be honest: if our sweetheart only shows a hint of acceptance, many of us run at them like a bull at the gate, throwing our lifestyle full-on, and all at once, and in their face. All of a sudden, we permanently have to run around at home in drag, and skirts get shorter and shorter as heels get higher and higher. We fall into puberty for the second time in our life, only this time it is not our parents who have to fight with our strange moods, but our partners.

Now, my dear Trannies, imagine the whole situation the other way around: your partner comes home and proclaims to you that she has the desire to live out her male side. She starts to wear male suits, glues on an artificial beard to her face and stuffs two socks into her boxers (because one sock would not be enough). At home, in front of the TV, she only wears the white tank top and develops the astonishing talent to burp longer after a gulp of beer than you would have ever managed to do yourself. To top it all off, accidentally calling her by her female name means war for at least two days.

Cool? By now means. But that is how some of us behave – just in the other gender role. Due to this, my fellow trans girls…slow down! Be patient with your partners if they don’t immediately fall into an ecstasy in the light of your feminine desires and feelings. Give them enough time. Answer all their upcoming questions. And do not push them to participate, if they don’t want to. Haste makes waste. If you consider this, the chances of success, where things work out the way you want, will increase.

Alle Jahre wieder – das Fest der (Schein)heiligkeit

Es weihnachtet. Ok, draussen nicht unbedingt. Von Schnee, wieder einmal, an Heilig Abend keine Spur. Für uns Wiener sind Grüne Weihnachten leider schon zur Gewohnheit geworden. Die verschiedenen Weihnachtsbeleuchtungen in den Einkaufsstraßen der Stadt versuchen, allen Unwirtlichkeiten zum Trotz, Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Um zumindest daran zu erinnern, dass es an Weihnachten ja auch zum guten Ton gehört, Geschenke zu kaufen. Je mehr, umso besser. Um zumindest die Kassen des Handels klingeln zu lassen. So hetzen wir gestresst durch die Stadt, auf der Suche nach den passenden Präsenten für Omas und Opas, Tanten und Onkels, Kousins, usw. Und bitte, nur ja niemanden vergessen. Das würde mit ziemlicher Sicherheit einen kaum noch gutzumachenden Fauxpas bedeuten.

Wie gut, dass wir regelmäßig von gutmeinenden Medien, und anderen Gurus, daran erinnert werden, dass es zu Weihnachten ja eigentlich um ganz etwas anderes geht: zu Weihnachten sollten wir doch, bitte schön, zur Besinnung kommen. Wir sollten kostbare Zeit mit unseren Lieben verbringen. Unschöne Ereignisse, die zu Streit innerhalb der Familie führten, sollten vergeben und vergessen werden, wir sollten lieb und nett zueinander sein. Und außerdem sollen wir auch an jene denken, denen es nicht so gut geht wie uns. Von allen Sünden kann man sich reinwaschen, wenn man brav für Licht ins Dunkel spendet, oder irgendein altes Handy aus den Untiefen des Abstellraums hervorkramt und in einer Papiertüte an den Staatssender schickt. Und überhaupt, zu Weihnachten ist doch geben seliger als nehmen. Eigentlich ist doch alles Friede-Freude-Eierkuchen. Oder?

Jetzt stellt sich für mich, als aufmerksame Beobachterin, folgende Frage: warum versuchen wir immer, ausgerechnet zu Weihnachten die ganzen Verbrechen, die wir im Laufe des Jahres begangen haben, wieder gutzumachen? „Wenn Weihnachten das Fest der Liebe ist, warum ist dann Weihnachten nur an Weihnachten?“ fragte schon der deutsche Autor Engelbert Schinkel. Sind wir plötzlich geläutert? Bedeutet das etwa, dass jetzt der Startschuß für ein humaneres Leben gefallen ist, bei dem man die Bedeutung von Nächstenliebe nicht mehr googeln muss? Wo gegenseitige Akzeptanz und Respekt gelebt, und auch an die nächste Generation weitergegeben werden? Tja, schön wärs. Aber wir scheitern ja schon daran, Kinkerlitzchen-Neujahrsvorsätze einzuhalten.

Wieso versuchen wir nicht einfach, das ganze Jahr nach gewissen Vorsätzen zu leben? Und nein, ich rede jetzt nicht davon, endlich mit dem Rauchen aufzuhören, oder drei mal in der Woche eine Runde um den Häuserblock zu laufen. Es geht mir um nachhaltigere Dinge. Womit man in der Lage wäre, viel Leid zu verhindern. Denn es gibt zum Beispiel auch heute, im 21. Jahrhundert, noch immer viel zu viele Menschen, die Hunger leiden müssen. Überall auf der Welt. Da mutet es geradezu bizarr an, wenn in der EU pro Jahr 88 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen! Davon gehen 53 % auf das Konto privater Haushalte. 30 % des Lebensmittelmülls verursachen Landwirtschaft und Produzenten, und 5 % Gastronomie und Handel. (https://www.muttererde.at/fakten/ ) Eine Spezies, die eine derartige Dekadenz zu ihren Charaktereigenschaften zählt, hat die Bezeichnung „Höheres Säugetier“ nicht mal annähernd verdient. Das ist einfach nur krank. Liebe Leute, da könnt ihr noch so stolz eure Spendenurkunde von Licht ins Dunkel an der Klotüre platzieren, das hilft nichts mehr.

Und warum sehen wir manche unserer Verwandten nur zu Weihnachten? Warum lassen wir die Oma im Altersheim versauern, und beehren sie immer nur kurz vor Weihnachten mit dem obligatorischen Pflichtbesuch? Oder die alte Tante, die eh nur im Nachbarbezirk wohnt, aber wo man vor lauter selbstgemachtem Pseudostress wieder und immer wieder keine Zeit findet für einen Besuch. Warum schauen wir nicht einfach übers Jahr verteilt öfters vorbei? Und machen ihr damit eine echte Freude, und zeigen, dass wir denkende Wesen sind, die auch die Fähigkeit des Mitfühlens beherrschen, und sich somit tatsächlich von anderen Lebewesen abheben.

Warum können wir das Fest der Liebe, wie Weihnachten manchmal auch genannt wird, nicht ganz einfach auf das ganze Jahr ausweiten? Wäre das wirklich zu schmerzhaft für uns? Schaffen wir es tatsächlich nur einmal im Jahr, Nächstenliebe zu zeigen, und auch auf die zu schauen, denen es, aus welchen Gründen auch immer, nicht so gut geht wie uns? Es muss doch auch möglich sein, von unserem egoistischen, selbstverliebten hohen Ross runter zu steigen, und zwar auch dann, wenn keine Tannenbäume in den Wohnzimmern stehen, oder nicht gerade „Stille Nacht“ gesungen wird. Oder ist das doch zu illusorisch?

Da ich grundsätzlich trotzdem ein lebensbejahender Mensch bin, der irgendwo, ganz weit im Hinterkopf, doch noch an das gute im Menschen glaubt, wünsche ich hiermit allen Leserinnen und Lesern ein Frohes Fest und einen guten Rutsch ins Jahr 2017.

 

Frühstück auswärts, Teil 2

Es gibt Ende Oktober bzw. Anfang November allerlei Feste, die eines gemeinsam haben: es wird der Verstorbenen gedacht. Sei es jetzt unser Allerheiligen, das amerikanische Halloween, oder aber auch der mexikanische Dia de los muertos, das Fest der Toten. Letzteres wird natürlich auch in der mexikanischen Community in Österreich gefeiert. Und auch so manche mexikanische Kneipe in Wien organisiert Veranstaltungen, um diesen Festtag zu begehen.

So auch das mas!, ein mexikanisches Lokal im 8. Bezirk, in der Laudongasse 35. Das mas ist eine Mischung aus Restaurant und Bar, und hat normalerweise nur abends geöffnet. An vorher bekanntgegebenen Sonntagen, also nicht regelmäßig, findet dort ein mexikanisch ausgerichteter Sonntagsbrunch statt. Der letzte stand eben unter dem Motto „Dia de los muertos“.

Schon beim Eintreten in das Lokal sticht einem der festlich geschmückte Ofrenda , der traditionelle Totenaltar, ins Auge. Diese Altäre sind mit Blumen, Kerzen, Weihrauch und persönlichen Erinnerungsgegenständen der Toten geschmückt, aber auch mit Speisen und Getränken gedeckt. Diese sollen der Stärkung der Toten dienen, die ja eine lange Reisen aus dem Totenreich hinter sich haben. Ausserdem sollen Fotos der Toten an die gemeinsame Zeit erinnern. Soweit die Tradition.

Abgesehen vom anlassbezogenen Schmuck ist das mas! eher spartanisch dekoriert. Das mag nächtens, wenn Bar- und Restaurantbetrieb herrscht, nicht so auffällig sein, bei Tageslicht bleibt der Charme leider ein wenig auf der Strecke. Unwohl fühlt man sich dabei aber trotzdem nicht.

Um 25 € wird ein All-you-can-Eat-Buffet, inklusive einem Espresso-Cafe nach Wahl und einem Glas Prosecco, angeboten. Den „gewöhnlichen“ Kaffee kann man sich, nach dem free-refill-Motto, aus einer Art Thermoskanne selbst abholen, andere Kaffeesorten muss man a-la-carte bestellen und auch extra bezahlen. Die Melange um € 3,10 ist aber durchaus leistbar. Laktosefreie- sowie Sojamilch sind für Allergiker und Unverträgliche ebenfalls vorhanden. Auch verschiedene Teesorten hat man im mas! im Sortiment. Bei den Säften kann man zwischen frisch gepresstem Orangensaft, Apfelsaft und Multivitaminsaft wählen. Natürlich gibt es auch freies Leitungswasser.

Das Speisenangebot beginnt mit diversen Wurst- und Käsesorten sowie Mozarella und Tomaten, sowie einer Lachsstation. Als Gebäck gibt es mehrere Brotsorten, Toasts, Tortillas, Fladenbrot sowie Semmel und Kornspitz, und zum Aufstreichen gibt es mehrere Marmeladesorten und auch Honig. Verschiedene Müsli- und Joghurtsorten und Cornflakes stehen den Cereal-Liebhabern zur Verfügung. Drei Salate, u.a. Avocadosalat mit Hühnerfleisch, lassen Sommer-Feeling aufkommen. Sechs verschiedene warme Speisen mit drei verschiedenen Beilagen laden ebenfalls zum probieren ein. Das Hühnerfleisch mit Schokochillisauce („mole poblano“) bietet auf jeden Fall ein interessantes Geschmackserlebnis. Natürlich muss man auch unbedingt die schwarze Bohnenpaste kosten. Verschiedene Kuchen und Puddings, sowie Waffeln zum selber machen, runden, als Desserts, das Angebot ab.

Es gibt auch eine Omelette-Station, bei der man sich Omelettes mit verschiedenen Zutaten nach Wunsch zubereiten lassen kann.

Rauchen geht nur draussen vor dem Lokal. Dafür wurde auf den tiefliegenden Fensterbänken mehrere Pölster plaziert, damit die Nikotinjunkies auch weich sitzen, wenn sie sich ihrer Sucht hingeben.

Das Personal war freundlich und aufmerksam, die Transe bereitete niemandem Probleme und erregte auch nicht zu viel Aufmerksamkeit. So stand einem netten Mädlsausflug mit den zwei wichtigsten Frauen in meinem Leben, meiner Freundin und meiner Mama, nichts im Wege.

Schade, dass dieser Brunch nicht mehr regelmäßig stattfindet. Es lohnt sich jedenfalls, ab und zu auf der lokaleigenen Homepage (http://www.restaurante-mas.at) oder Facebook-Seite vorbei zu schauen, um den nächsten Termin nicht zu versäumen.

Transgender und Sexualität

Viele Menschen stellen sich die Frage, wie Transgender eigentlich Sex haben. Hier herrscht viel Un- bzw Halbwissen, und es wird viel Gossip betrieben. Nicht umsonst war meistens die erste Frage von Menschen, vor denen ich mich als Trans geoutet habe, ob ich denn jetzt auch schwul sei…

Die Art des Erotiklebens einer Transgender-Person hängt von vielen Faktoren ab. Aber ob jemand Trans ist, sagt noch lange nichts über die sexuelle Orientierung aus. Das sind zwei völlig voneinander unabhängige Dinge. Es gibt Transmänner, also Frau-zu-Mann-Transgender, die Männer lieben, aber auch solche, die Frauen bevorzugen. Und umgekehrt genauso. Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass Hetero-, Homo- oder Bisexualität unter Transgender genauso verteilt ist wie unter Cisgender-Personen.

Stellt die Identitätsfindung bei jedem Menschen einen wichtiger Faktor in der Pubertät, und manchmal noch darüber hinaus, dar, ist es für Transgender ungleich schwieriger, und zumeist auch langwieriger, herauszufinden, wer oder was man ist. Und was einem zusagt. Ich wusste zwar früh, dass ich mich in erster Linie zu Frauen hingezogen fühlte, konnte mich in meiner männlichen Rolle aber nicht wirklich zurechtfinden. Wodurch sich mein Verhalten beim Erobern von Frauen bzw Mädls, durch Passivität auszeichnete. Was beim anderen Geschlecht gar nicht gut angekommen ist. Deswegen war ich beim sagenumwobenen ersten mal eher spät dran. Irgendwann gestand ich mir ein, dass ich auch einen trainierten Männerkörper durchaus anziehend finde. Nachdem ich es ausprobiert hatte, wusste ich jedoch, dass Schwärmerei eine Sache ist, Fantasie und Realität aber doch zwei verschiedene Paar Schuhe sind. (David Beckham in der Unterwäsche-Werbung finde ich aber nach wie vor verdammt sexy, solange er die Unterhose anlässt…).

Ist die Identitätsfindung abgeschlossen, kommt ein weiterer Faktor ins Spiel, nämlich ob eine Hormonbehandlung durchgeführt wird, bzw wie weit diese fortgeschritten ist. Wenn eine Hormonbehandlung angestrebt und genehmigt wird, kommt es bei Mann-zu-Frau-Transgender zunächst zur Gabe eines Testosteron-Blockers. In weiterer Folge werden künstliche weibliche Hormone zugeführt. Frau-zu-Mann-Transgender bekommen klarerweise Testostern. Diese Hormongabe muss übrigens ein Leben lang erfolgen. Und hat äusserst intensive Auswirkungen auf die Person. Abgesehen davon, dass sich das äussere Erscheinungsbild verändert, bewirkt es auch meist starke Veränderungen bei der Libido. Transmänner haben anfangs plötzlich das Bedürfnis nach ständiger sexueller Betätigung, während bei Transfrauen eher das Gegenteil eintritt. Bei letzteren führt die Östrogen-Gabe auch dazu, dass die Erektionsfähigkeit des männlichen Geschlechtsteils immer mehr nachlässt, und irgendwann so gut wie unmöglich wird. Dessen müssen sich Transfrauen auch immer bewusst sein, wenn eine Hormontherapie angestrebt wird.

Ein weiterer Faktor ist natürlich eine eventuelle geschlechtsangleichende Operation. Bei Transfrauen wird nach der sog. Invaginationsmethode gearbeitet. Bei ihr wird die Penisschafthaut nach innen umgestülpt, aus ihr entsteht die Neovagina. Der komplizierteste und riskanteste Teil der Operation ist allerdings die Bildung der neuen Klitoris aus der Eichel. Dabei wird die Eichel komplett an ihrem Gefäß-Nerven-Bündel erhalten, und daraus die Neoklitoris geformt. Sie wird so präpariert, dass nur der obere Teil sichtbar aus der Haut herausschaut. Es besteht allerdings die Gefahr, dass Gefäßnervenbündel verletzt werden, und die Klitoris abstirbt. Danach muss die neugestaltete Vagina zunächst regelmässig mit einem Dildo bougiert, also gedehnt, werden, um eine Schrumpfung zu verhindern. Ist diese langwierige Prozedur der Angleichung ohne allzu große Komplikationen erfolgt, kann es allerdings durchaus zu einem befriedigenden Sexualleben kommen. Gefühle und sogar sexuelle Höhepunkte sind mit der Neo-Vagina möglich.

Der Penoid-Aufbau bei Frau-zu-Mann-Transgender ist um einiges aufwendiger. Eine Erektion des neuen Genitals von alleine ist allerdings nicht möglich. Daher wird ein künstlicher Schwellkörper in das Glied eingearbeitet, und ein hydraulischer Pumpmechanismus kann in einer der beiden Hodenprothesen eingesetzt werden. Und der Penis wird bei Bedarf einfach „aufgepumpt“. Tja, vermutlich gibt es so manche Männer ab Mitte 50, die sich eine derartige Pumpe wünschen würden. Jedenfalls sollte, so es keine gröberen Komplikationen gibt, mit diesem „aufgepumpten“ Penis auch penetrierender Geschlechtsverkehr möglich sein. Die Stärke des sexuellen Empfindens ist dabei von Person zu Person unterschiedlich.

Man sieht also, dass das Sexualleben von Transgender-Personen durchaus viele Möglichkeiten bieten kann. Wofür man sich entscheidet und wie man es auslebt, hängt klarerweise von der einzelnen Person ab. Aber irgendwann findet jede das passende.