#metoo oder #menot… schöne, neue Welt

Neulich, bei unserem Lieblings-Italiener: Angelo, unser Kellner. Einer der wenigen echten Italiener, der hier eine Pizzeria betreibt. Ganz stolz wollte er mir seine neueste Errungenschaft, einen Pizza-Holzofen, zeigen. Ein wunderschönes Stück, welches das traditionelle Pizzahandwerk fördert. Und wie man weiß, eine richtige Holzofenpizza, ohne viel Schnickschnack, die ohne viel künstliches Herumgetue in den Ofen geschoben wird, schmeckt halt doch am besten. Während er mir alles ausführlichst erklärte, legte er seinen Arm um meine Hüfte, wobei zwei Finger auf meiner Po-Backe zum Liegen kamen. Ich war ein wenig verwirrt und aufgewühlt. Nicht etwa in sexueller Hinsicht. Nein, aber ich wusste nicht, ob ich ihn denn jetzt wegen sexueller Belästigung anzeigen sollte, oder nicht? Und sofort etwas unter dem Hashtag #metoo posten müsse?

Er ist ja eigentlich ein ganz Lieber. Halt ein typischer Italiener. Ein fescher Kerl, immer charmant und freundlich, gut riechend, mit dem wunderbar italienischen Akzent, auch wenn zwischendurch immer wieder ein angelernter Wiener Slang durchkommt. Aber ich mag ihn. Kann es dann überhaupt sexuelle Belästigung gewesen sein? Nein, oder? Andererseits ist er ein richtiger Macho, der jedem Rockzipfel nachsteigt. Durchaus erfolgreich, denn wenn ich es mir so überlege, hat er schon das eine oder andere Herz einer österreichischen Damen gebrochen. Also eigentlich ein Arsch. Na gut, dann war es wohl sexuelle Belästigung.

Hm. Schwierig. Vielleicht kommt es auch darauf an, woran er gerade gedacht hat? Gute Idee, ich werde ihn einfach fragen. Wenn er an Sex mit mir dachte, während er mich am Po berührt hat, dann war es wohl sexuelle Belästigung. Andererseits, wenn er, während wir Körperkontakt hatten, an Sex mit mir dachte, hatten wir dann nicht bereits Sex miteinander? Oder nur er mit mir? Andererseits hat der Pizzakoch gerade eine Pizza in den Ofen geschoben, während Angelo mir alles ausführlich erklärte, mit seiner Hand auf meiner Hüfte und Po. Vielleicht ist da die Fantasie mit mir durchgegangen. Und er war mit seinen Gedanken wirklich nur bei den technischen Features des Ofens… des Pizzaofens natürlich. Und alles war rein freundschaftlich. Ach, schwierig.

In der heutigen Zeit muss man schon wissen, was man tut. Andererseits, in meiner Firma gibt es immer wieder Frauen, hauptsächlich Praktikantinnen, die sich gezielt an Männer in Führungspositionen werfen, in der Hoffnung, eine Fixanstellung zu bekommen. Klar gibt es Männer, die genau diese Position dann auszunützen wissen. Ist das kriminell? Nein, ganz sicher nicht. Ist es verwerflich? Ja, das ist es. Aber von beiden Seiten. Und wenn die Avancen vom Mann ausgehen? Also, ehrlich gesagt, ich fühle mich geehrt, wenn mir ein Mann zu erkennen gibt, dass er mich attraktiv findet. Obwohl ich gar nicht auf Männer stehe. Trotzdem ist es schmeichelhaft. Auch ein Angebot auf Sex ist für mich noch keine sexuelle Belästigung. Das ist doch ein Teil normaler zwischenmenschlicher Interaktion. Und das war es auch immer. Erst durch den Einfluss der Kirche und von psychopathischen Feministinnen wurde dies verdammt. Ich muss eben klar und deutlich „Nein“ sagen, wenn ich nicht interessiert bin. Was in der Regel auch funktioniert. Erst, wenn derjenige trotzdem nicht aufhört, mir Angebote zu machen, kommen wir der Belästigung näher. Auch ist nicht jedes Anstreifen plötzlich Belästigung. Klar, wenn mir jemand, vorsätzlich, seine Hand auf den Po legt, dann muss er damit rechnen, dass er eine geknallt bekommt. Oder ich ihn anschreie, dass er seine Drecksfinger da wegnehmen soll. Warum da allerdings so ein großes Drama gemacht wird, ist für mich nicht ganz nachvollziehbar.

Und, liebe Frauen: wenn man jetzt, nach 5, 10, oder noch mehr Jahren, auf einmal draufkommt, dass man damals ja auch sexuell belästigt wurde, und sich, nach so langer Zeit, wichtig macht, das kommt mir irgendwie spanisch vor. Echt jetzt? So lange habt ihr es nicht geschafft, darüber zu reden? Jetzt plötzlich, nach Weinstein, Pilz und Co., wo es en vogue wurde, und man nicht dazu gehört, wenn man nicht auch diese Erfahrung gemacht hat, kommt ihr drauf? Ich will keine der oben genannten, ekelhaften Kreaturen, in Schutz nehmen, und sie bekommen jetzt, was sie verdienen. Aber führ mich ist es schon ein wenig unglaubwürdig, wenn man so viele Jahre vergehen lässt, bevor man sich öffnet. Es waren sicherlich abscheuliche Fälle dabei, aber ich geh davon aus, dass auch sehr viele übertreiben, und sich einfach auch nur in der Opferrolle gefallen.

Ein Mann weiß ja heutzutage gar nicht mehr, wie er seiner Angebeteten sein Interesse mitteilen soll, ohne Gefahr zu laufen, wegen Belästigung in die Bredouille zu geraten. Schöne neue Welt.

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Ist der Ruf erst ruiniert…

Was ich bereits seit einiger Zeit erwartet hatte, ist nun tatsächlich eingetreten. Ich wurde in meiner Arbeit als Transgender geoutet.

Wie ich bereits in einem meiner letzten Blogs geschrieben habe, trete ich in meiner Arbeit noch als Mann auf. Nun habe ich allerdings auch ein offenes Instagram-Profil. Dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis jemand aus der Arbeit dieses Profil entdeckt, war mir klar. Es war also ein Spiel mit dem Feuer. Das ich aber in Kauf genommen habe. Denn es war schon auch eine Belastung, zu wissen, dass man jederzeit in Wien jemandem von der Firma, ich arbeite bei den Vereinten Nationen, über den Weg laufen könnte. Bei über 4500 Beschäftigten muss es aber gar nicht nur Wien sein. Es ist völlig egal, wo man sich befindet, denn ich hab mir sogar schon bei Flügen aus Los Angeles und Berlin das Flugzeug, unbeabsichtigt, mit Arbeitskollegen geteilt. Auch wenn es im Endeffekt ohnehin egal gewesen wäre, wenn man in der Öffentlichkeit erkannt wird, so war trotzdem ständig ein gewisses Unbehagen spürbar.

Es gibt zwar bei uns einen Diskriminierungsschutz, der besagt, dass niemand auf Grund seiner Hautfarbe, Religion, Herkunft, Geschlecht, Geschlechtsidentität oder sexuellen Präferenzen, diskriminiert werden dürfte. Nun, das steht zwar auf dem Papier, aber gerade in dem Bereich, wo ich tätig bin, gibt es leider sehr viele konservative und altmodische Leute, die nicht so gerne über den Tellerrand hinausblicken. Und ich weiß, wie manche über Transgender und Homosexualität denken. Alleine die Reaktionen auf Conchita Wurst waren mehr als eindeutig. So war mir ursprünglich nicht so wohl bei dem Gedanken, irgendwann geoutet zu werden. Denn Mobbing kann einem, trotz Diskriminierungsschutz, das Leben zur Hölle machen. Trotzdem wusste ich, dass früher oder später kein Weg daran vorbeiführen würde, entdeckt zu werden.

Vor ungefähr drei Woche war es dann so weit. Ein Kollege teilte mir im Vertrauen mit, dass mein Instagram-Profil entdeckt wurde, und die Neuigkeiten verbreiteten sich, klarerweise, wie ein Lauffeuer. Was nun passierte, hat mich allerdings gewaltig überrascht. Die Reaktionen waren nämlich durchwegs positiv. Von mehreren Seiten wurde mir Unterstützung zugesichert, und Verständnis geäußert. Manche haben auch die Fotos für gut befunden. Und jene, von denen ich wußte, dass sie mit Trans überhaupt nichts anfangen können, ja, es sogar abartig finden, ließen sich nichts anmerken. Irgendwie ist es so wie vorher. Bisher zumindest.

Ich muss ehrlich sagen, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war auf mehr Widerstand gefasst, für den Fall, dass alles ans Tageslicht kommen sollte. Aber bisher ist alles ruhig geblieben. Und ich fühle mich um einiges wohler. Keine Angst mehr vor dem Entdeckt-werden. Kein Verstecken der Hände, wenn mal versehentlich ein Rest vom Nagellack auf den Fingernägeln verblieben ist. Oder wenn die Fingernägel mal länger sind als man es von einem „Mann“ erwarten würde. Der eine oder andere Kollege stellte durchaus interessante Fragen, und so konnte ich auch ein wenig Aufklärungsarbeit zum Thema Transidentität leisten.

Trotzdem werde ich auch weiterhin als Mann zur Arbeit kommen. Zumindest in nächster Zukunft wird Jessi zu Hause bleiben. Und das ist gut so. Ich habe kein Problem damit. Der Wohlfühlfaktor ist trotzdem gestiegen, und ich werde nicht riskieren, dass sich das ändert.I

Attention – TranSe on the dance floor!

Letztens durfte ich ein spannendes Wochenende in Graz verbringen. Nicht nur, dass ich eine ehemalige Nachbarin und gute Freundin aus Kindheitstagen, nach über 30 Jahren, wieder getroffen habe (Facebook sei Dank!). Wir beschlossen auch spontan, bei einer 80er-Jahre-Party im PPC die Hacken zum glühen zu bringen.

Zur Erklärung: mein männliches Alter Ego ist absoluter Nicht-Tänzer. Nicht, weil ich es nicht wollen würde. Es ist nur einfach Unsicherheit, die ich gerne mit künstlicher, übertriebener Coolness zu überspielen versuche. Und wer cool ist, tanzt doch nicht. Oder? Seit ich als Jessi unterwegs bin, hat sich das ein wenig geändert. Da gelingt es mir besser, auch mal aus mir rauszugehen. Ausserdem ist es ist mir als Mann auch des öfteren passiert, dass ich schon an der Einlasskontrolle gescheitert bin. So manche Absolventen der Zutritts-Wissenschaften unterstellten mir einen alkoholisierten Zustand, und rechtfertigten damit die Zutrittsverweigerung zum Vergnügen des tanzbeinschwingenden Fitnesstrainings in alkohol- und zigarettengeschwängerter Atmosphäre. Deswegen verging mir in meiner Jugend recht bald die Lust auf derartiges. Jessi hingegen wurde noch nie an einer Disco-Türe abgewiesen.

Nachdem der Abend im stylischen Kaffee des Grazer Kunsthauses (sehr zu empfehlen) begonnen hat, wo die Gesellschaft von zwei auf sechs Personen angewachsen ist, machten wir uns auf den Weg. 5 Mädls und ein gar nicht mal unhübscher Mann als Hahn im Korb.

In der Location angekommen, wurde erstmal ein Bier bestellt. Denn während die anderen Mädls gleich mal die Tanzfläche stürmten, schlägt bei mir in dieser Hinsicht leider immer noch zu oft der Mann durch. Und zwar jener, der viel zu schüchtern und unsicher ist, um einen Schritt auf die Tanzfläche zu machen. Auch Jessi braucht deshalb ein wenig Starthilfe, aber dann geht’s. Und an diesem Abend war es nicht anders.

Die Musik war gut, ich liebe die 80ies. In diesem Jahrzehnt wurde, meiner Meinung nach, die beste Musik gemacht, und die größten Hits fabriziert. Egal, in welchem Genre man sich bewegt. Aber zunächst war eben noch nix mit Tanzen. Also hab ich es mir erstmal mit meinem Bier auf einer freien Sitzgelegenheit gemütlich gemacht und Location samt Publikum begutachtet. Allerdings blieb ich nicht lange alleine. Ein Mann nahm den freien Sitzplatz neben mir ein und begann, mich mit den typisch belanglosen Floskeln anzuquatschen. Von wegen er würde Menschen wie mich bewundern, nämlich unseren Mut, das öffentlich auszuleben (als ob ich eine andere Wahl hätte), und wie toll ich doch aussehen würde. Dabei rückte er mit seinem Sitz immer näher an mich heran. Schließlich wurde mir klar, dass über kurz oder lang seine Hand bei mir landen würde. Ich könnte nun weiter sitzen bleiben und warten, bis es soweit war. Dann hätte ich ihm jedoch die Finger brechen müssen. Als Alternative hätte ich auch auf die Tanzfläche gehen können, soweit war ich allerdings noch nicht. Dachte ich. Denn plötzlich betrat eine Dame das Lokal. Und sie raubte allen den Atem. Die anwesenden männlichen Besucher verloren kurzfristig die Kontrolle über ihren Speichelfluss. Nachdem sie an der Bar ein Getränk erworben hatte, scannte sie die Location und erblickte mich. Gezielt steuerte sie, sicheren Schrittes, auf mich zu und fragte: „Willst du Tanzen?“ Jetzt gab es zwei Möglichkeiten: 1. die coole Socke spielen, und, Desinteresse vortäuschend, ihr eine Abfuhr erteilen. Was, ehrlich gesagt, saublöd gewesen wäre. 2. Augen zu und durch. Alleine der neidische Ausdruck in den Gesichtern der Männer motivierte mich dazu, mir doch einen Ruck zu geben und mit ihr gemeinsam den Dancefloor zu betreten. Nach dem Motto „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich gänzlich ungeniert“, gab ich mich der Musik hin, und ließ mich treiben. Nach ungefähr einer Minute wagte ich, aufzublicken, und bemerkte, dass man sich kaum für mich interessierte, und wenn, gab es nur freundliche Gesichter. Ich wurde, wieder mal, voll akzeptiert.

Man erlebt aber auch recht interessante Abläufe auf der Tanzfläche. So fühlte ich mich irgendwie von den Mädls, mit denen ich unterwegs war, beschützt. Denn ab und zu landete eine fremde Hand auf meinem Po. Daraufhin bekam der Besitzer der Hand ein Kopfschütteln, und einen Blick von den Mädls zugeworfen, der sagte: „Greif da nochmal hin, und wir amputieren dir deine Hand bei vollem Bewusstsein!“ Süss, oder?

Andererseits übernahm Jessi auch eine Vermittlerfunktion. Denn natürlich kam auch den Mädls mal ein Typ ungut zu nahe. Wenn ein anderer Mann sich dann eingemischt hätte, wäre eine Konfrontation eventuell unausweichlich gewesen. Ist jedoch Jessi auf der Bildfläche erschienen, waren die Fronten sofort geklärt und die Männer zogen sich zurück. Das ist doch Praktisch. Ok, das klingt jetzt so, als wären dort alle Männer aufdringlich gewesen. Weit gefehlt, die meisten waren durchaus nett und charmant. So ließ auch ich mich auf den einen oder anderen, natürlich harmlosen, Flirt ein, und genoss einen billigen Abend, da ich mehrmals von Männern auf Getränke eingeladen wurde.

Nach ungefähr dreieinhalb Stunden durchshaken, beschlossen wir, doch schon ein wenig erschöpft, Richtung nach Hause aufzubrechen. Um vier Uhr morgens war ich endlich in meinem Hotelzimmer angekommen und fiel müde, aber glücklich über einen überaus befriedigenden Abend, ins Bett.

Transidentität – im falschen Körper

Anlässlich meines letzten Blogs „Kind ohne Geschlecht“ ist die Frage aufgetaucht, wie man denn merkt, dass man, als transidente Person, im „falschen Körper“ steckt.

In meinem Fall lief das ungefähr folgendermaßen ab: ich wusste schon im Kindergarten, dass bei mir etwas anders war. Wenn wir „Familie“ gespielt haben, schnappte ich mir aus dem Bekleidungsfundus einen Rock, und übernahm so gut wie immer die Rolle der Mutter und Ehefrau. Und fühlte mich gut dabei. Interessanterweise wurde ich damals nie von den anderen Kindern gemobbt oder belächelt, und auch die Kindergartentanten ließen mich gewähren. Ich kann mich an kein einziges negatives Wort erinnern. Wenn man bedenkt, dass dies in den 1970ern passiert ist, waren manche damals in ihrem Gedankengut weiter, als es so manche konservativen Politiker heute sind. Und um gleich einigen „Schnelldenkern“ den Wind aus den Segeln zu nehmen: Hätte man mich damals im Kindergarten daran gehindert, die Rolle der Frau zu übernehmen, ich hätte mich trotzdem zu der Person entwickelt, die ich heute bin. Ich wurde im übrigen als Kind weder misshandelt noch sexuell missbraucht. Meine Eltern waren nicht besser oder schlechter als andere Eltern. Meine Kindheit war behütet, es fehlte mir an nichts. Wenn es also keine äusseren Einflüsse gab, woran liegt es also, dass manche Menschen transident werden?

Wie schon im letzten Blog erwähnt, gehen die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse davon aus, dass der Ursprung bereits in der pränatalen Phase liegt.
Diesbezüglich möchte ich einen wissenschaftlichen Artikel aus der Zeitung „Psychologie in Österreich“, Volume 36, September 2016, zitieren: Georg S. Kranz schreibt unter dem Titel „Neuronale Korrelate der Geschlechtsidentität“ (Seite 215): „…Im Gegensatz zur vorherrschenden Meinung der 1960er und 1970er Jahre, dass Kinder tabula rasa geboren werden und erst im Laufe der frühen Sozialisierung eine Geschlechtsrolle erlernen, geht man heute davon aus, dass Geschlechtsidentität bereits in einem kritischen Zeitfenster während der intrauterinen Hirnentwicklung festgelegt und in das sich entwickelnde Gehirn quasi programmiert wird. In den ersten Schwangerschaftsmonaten kommt es zur Anlage der Geschlechtsorgane unter der Wirkung von Geschlechtshormonen. In Anwesenheit von Testosteron entwickeln sich die Anlagen der männlichen Geschlechtsorgane, in Abwesenheit von Testosteron kommt es zur weiblichen Sexualdifferenzierung. Mit der 13. Schwangerschaftswoche ist dieser Prozess abgeschlossen. Demgegenüber findet die Geschlechtsdifferenzierung des Gehirns erst in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft statt. Auch hier geht man von einem direkten Einfluss von Testosteron aus. Ist Testosteron vorhanden, kommt es zur Vermännlichung, ansonsten zur Verweiblichung der Hirnstruktur. Durch die Tatsache, dass die Ausdifferenzierung der Geschlechtsorgane und die Geschlechsdifferenzierung des Gehirns zeitlich voneinander getrennt sind, ist es möglich, dass beide Prozesse unabhängig voneinander beeinflussbar sind. In seltenen Fällen kann es beispielsweise zu einer Vermännlichung der Geschlechtsorgane, aber einer fehlenden Vermännlichung des Gehirns (oder umgekehrt) und damit zur biologischen Grundlage von Transidentität kommen. …

Um diese Theorie zu untermauern, möchte ich hier die traurige Geschichte von David Reimer aufwerfen, der als John/Joan-Fall in die Wissenschaftsgeschichte einging: David, 1965 in den USA geboren, wurde bei einem fehlerhaften chirurgischen Eingriff im Alter von 8 Monaten sein Penis irreversibel zerstört. Auf Anraten des Sexualwissenschafters John Money entschieden sich seine Eltern dazu, eine geschlechtsverändernde Operation durchführen zu lassen und den Jungen als Mädchen zu erziehen. Im Alter von 22 Monaten wurden David die Hoden entfernt und aus der Haut seines Hodensacks Schamlippen geformt. David wurde ab diesem Zeitpunkt Brenda genannt. Darüber hinaus wurde David etwa ab dem 12. Lebensjahr mit weiblichen Hormonen behandelt.
Die Forscher wollten an David ein Exempel statuieren, und feierten das Kind als eindeutigen Beweis dafür, dass die Erziehung in den frühen Lebensjahren eine Hauptrolle bei der Ausprägung der geschlechtsspezifischen Identität spiele. Demnach wurde David von Money als „normales, glückliches Mädchen“ beschrieben; Spätestens in der Pubertät wurde jedoch klar, dass er sich keineswegs in seiner ihm zugeschriebenen weiblichen Rolle wiederfinden konnte. Familie und Freunde beschrieben ihn als ein zutiefst unglückliches Kind mit großen sozialen Problemen. Mit 14 Jahren wechselte er in die Rolle des Mannes zurück. Er unterzog sich einer konträren Behandlung mit Brustentfernung, Testosteroninjektionen und Phalloplastik. Trotzdem beging David, nach jahrelanger Depression und finanzieller Instabilität, am 4. Mai 2004, im Alter von 38 Jahren, Suizid.

Dieser und ähnliche Fälle zeigen den Einfluss der pränatalen Prägung auf die Entwicklung der Geschlechtsidentität.

Aber zurück zu mir: abgesehen von meinen Ausflügen in die Welt der Rollenspiele im Kindergarten, wusste ich nicht wirklich, was mit mir los war. Ich bemerkte eine Erleichterung und Wohlempfinden, wenn ich alleine zu Hause war, und dann heimlich die Kleidung meiner Mutter anzog. Ja, heimlich. Interessanterweise hat man schon als Kind dieses ständige Gefühl, dass es verboten, oder zumindest „nicht normal“ sei, obwohl man gar keine Ahnung hatte, worum es sich denn hier überhaupt handle. In den 70er Jahren waren wir noch weit vom Internet-Zeitalter entfernt, und Lifestyle-Zeitschriften, die über alle möglichen Kuriositäten berichteten, waren ebenfalls nicht im heutigen Ausmaß vorhanden. So dämmerte mir, dass ich eventuell der einzige Mensch auf der Welt sein könnte, der dieses seltsame Bedürfnis hatte. Ich war als Kind eher zierlich und klein, und da ich auch etwas längere Haare trug, wurde ich des öfteren für ein Mädchen gehalten. Was zu gespaltenen Reaktionen meinerseits führte. Nach aussen hin musste ich mich natürlich empören. Welcher „Junge“ lässt sich schon gerne als Mädchen bezeichnen? Innerlich jubelte ich jedoch. Ich war aber nicht das durchwegs „typische“ Transkind. Denn ich interessierte mich auch für Fußball. Und ich konnte recht schnell laufen, was immerhin in einer, wenn auch mäßig erfolgreichen, Leistungssport-Karriere in der Leichtathletik, gipfelte. Durch diese sportlichen Fähigkeiten blieb mir Gehänsel bezüglich meiner Femininität erspart.

Natürlich fragte ich mich einerseits, warum gerade ich „so“ war, andererseits wollte ich es aber auch nicht missen, weil ich mich jedes mal, wenn ich heimlich in die Rolle der Frau schlüpfen konnte, unglaublich wohl fühlte. Trotzdem befand ich mich im ewigen Kampf mit mir selber. Der Versuchung nachgeben oder dagegen ankämpfen? Meist konnte ich nicht widerstehen und gab nach. Ich traute mich auch immer mehr, und nutzte die Zeit, wenn ich mal ein paar Stunden alleine zu Hause war, immer besser aus. Irgendwann begann ich, mit Lippenstift und Schminke zu experimentieren, nur um festzustellen, dass sich diese Produkte nicht so einfach mit Wasser wieder entfernen ließen. Panisch rubbelte ich mir die Gesichtshaut und Lippen wund, nur um möglichst alle Spuren zu beseitigen, bevor meine Eltern wieder zurück kamen. Manchmal war es eben learning the hard way.

Es dauerte bis zu meinem 14. Lebensjahr, bis ich endlich in einer Zeitschrift einen Artikel über Transsexualität las. Und mich sofort wiedererkannte. Ja, das war es. Was hier beschrieben wurde, traf auf mich zu. Meine seltsame Neigung hatte nun einen Namen. Und – viel wichtiger, ich war offensichtlich doch nicht die einzige Person auf der Welt mit dieser Veranlagung.

Trotz dieser Erleuchtung war ich noch immer weit davon entfernt, mich irgendjemandem anzuvertrauen. Es geschah alles auch weiterhin heimlich.

Mit 14 bekam ich, zu allem Überdruss, auch nochmal einen Wachstumsschub, und wuchs somit aus den meisten Kleidern und den Schuhen meiner Mutter raus. Es gab nur noch vereinzelte Sachen, die mir passten. Sehr zu meinem Missfallen. Online-Shopping gab es damals, eben mangels Internet, nicht. Und wo hätte ich denn die Sachen hinbestellen sollen, im Elternhaushalt? Irgendwann fand ich dann doch heraus, dass man auch postlagernd bestellen kann. So sparte ich Taschengeld und bestellte mir beim Quelle-Katalog das eine oder andere Kleid, von dem ich dachte, es könnte mir passen. Und lernte ziemlich bald, dass es eine Sache ist, wenn ein Topmodel ein Kleid trägt, aber eine ganz andere, wenn man dasselbe ohne weibliche Kurven überzieht. Naja, an die Öffentlichkeit traute ich mich, zum Glück, damals ohnehin noch nicht.

Um das ganze jetzt abzukürzen: mit ungefähr Mitte 20 outete ich mich zunächst bei meiner Mutter. Und sie reagierte so, wie man es sich als transidenter Mensch von seiner Mutter nur wünschen kann: sie meinte, egal ob männlich oder weiblich, Hauptsache glücklich. Ich weiss von vielen Freundinnen aus der Trans-Szene, dass dies durchaus nicht selbstverständlich ist, und ich hier echtes Glück mit meiner Mutter hatte.

Es mussten auch einige Beziehungen und Partnerschaften zu Bruch gehen, bis ich die Stabilität und Akzeptanz gefunden habe, die mir meine derzeitige Partnerin gibt. Und das seit bereits sechs Jahren. Erst durch ihre Unterstützung lernte ich, mich selbstverständlich als Frau in der Öffentlichkeit zu bewegen. Und ich weiß heute: es ist so gut wie alles möglich. Vielleicht gehe ich auf mein späteres Leben in einem gesonderten Blog ein.

In der Arbeitswelt und vor meinem Sohn bin ich nach wie vor Mann. Wann und ob sich das ändert, wird die Zeit zeigen. Ich bin jedenfalls schon gespannt, was die Zukunft bringen wird.

Kind ohne Geschlecht

In Kanada wurde kürzlich für ein gesundes Neugeborenes, eine Sozialversicherungskarte ohne Geschlechtseintrag ausgestellt.

Bei Searyl Atli Doty, so der Name des Neugeborenen, wurde auf dem Equivalent der kanadischen E-Card bei der Geschlechtsbestimmung ein “U” eingetragen. U für Unknown oder Unspecified. Obwohl das Kind mit eindeutig identifizierbaren Geschlechtsmerkmalen ausgestattet ist. Stattgefunden hat diese Aktion auf Drängen von Kori Doty. Kori ist ein Elternteil von Searyl. Und Kori identifiziert sich als “nicht-binäre trans Person”, also als eine Person, die ihr Geschlecht ausserhalb des “Mann-Frau-Systems” sieht bzw empfindet. Und Kori meinte, sie hätte ein Leben lang unter der Geschlechtszuordnung, die von den Ärzten nach ihrer Geburt, aufgrund der Genitalien, vorgenommen wurde, gelitten. Deshalb wolle sie, dass das Baby später irgendwann selber bestimmen könne, wer oder was es sein wolle. Unterstützt wurde dieses Anliegen durch die Gruppe “Gender Free I.D. Coalition”, die es sich zum Ziel gesetzt hat, alle Geschlechtsbestimmungen von Ausweisdokumenten zu entfernen.

Ich sehe diese Aktion eher kritisch. Eine geschlechtslose Gesellschaft ist eine reine Utopie, und wird sich nie durchsetzen. Hoffentlich. Ich denke, dass man bei dem Baby mehr Schaden anrichtet, als man glaubt. Die Gesellschaft ist auf das binäre Geschlechtssystem fixiert. Und biologisch gibt es nun mal zwei Geschlechter. Daran gibt es nicht zu rütteln. Die meisten Kinder wissen ohnehin sehr früh, was sie sind. Und verhalten bzw entwickeln sich auch dementsprechend. Es stellt sich für mich die Frage, ab wann die Eltern dem Kind dann zugestehen, selber bestimmen zu können, was es ist? Wenn der oder die Kleine sich also eindeutig männlich oder weiblich fühlt, sagt man ihm/ihr dann, dass es noch nicht so weit sei und deshalb noch ein “Etwas” ist? Und wie werden sich die anderen Kinder im Umfeld verhalten, wenn man ihnen mitteilt, dass Searyl weder Bub noch Mädchen ist? Kinder können gemein sein. Und wenn die anderen Kinder Searyl dann doch eindeutig auf ein gewisses Geschlecht festlegen, werden sie dann von den Vorkämpferm der “Gender Free Coalition” als Ignoranten und heteronormative Bastarde beschimpft?

Es mutet kurios an, ein Kind, dass sich zu 99 % zu einem Menschen ohne Geschlechtsidentitätsstörung entwickeln wird, in eine derartige Schublade zu pressen. Denn genau das ist es. Man wird den/die Kleine immer als etwas aussergewöhnliches betrachten, aber bestimmt nicht im positiven Sinn. Er/Sie kann einem wirklich leid tun. Den schrägen Willen der Eltern so auf ein Kind zu übertragen, das sich nicht wehren kann, ist einfach nicht ok.

Stattdessen sollte sich diese Organisation besser darauf konzentrieren, Kindern, die sich konträr zu ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht entwickeln, alle Möglichkeit und Unterstützung zu bieten, nachträglich nachzubessern. Und gleichzeitig für die Akzeptanz von Transidenten Personen in der Gesellschaft zu werben.

Im Grunde wäre es am einfachsten, wenn man Kinder einfach in Ruhe lässt. Man sollte akzeptieren, dass es Buben und Mädchen gibt. Wenn ein Mädchen ein Krieger sein will, lasst es ein Krieger sein. Wenn ein Bub eine Prinzessin sein will, lasst ihn eine Prinzessin sein. Aber zwingt ihnen nichts auf, was sie nicht sein wollen. Denn nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelt sich die Geschlechtsidentität bereits beim noch ungeborenen Fötus, ungefähr ab der 13. Schwangerschaftswoche. Es kann also gar nicht passieren, dass man ein „falsches“ Geschlecht anerzieht. Natürlich nur, wenn man die Kinder sich in Ruhe entwickeln lässt, ohne den Versuch zu starten, regulierend oder sonstwie einzugreifen. Dann regelt sich alles von selber.

Ehe für Alle

Es ist tatsächlich passiert. Deutschland ist im 21. Jahrhundert angekommen. Letzten Freitag wurde im Bundestag durch einen Rot-Rot-Grünen Antrag die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare auf die Tagesordnung gesetzt. Klar polterten die konservativen Christdemokraten zunächst von Koalitionsbruch, aber es scherten immerhin nicht weniger als 75 Unionsabgeordnete aus der Parteilinie aus und votiertn bei der folgenden Abstimmung für die Eheöffnung.

Endlich einmal wieder eine gute Nachricht aus der Welt der Gesellschaftspolitik. Denn im Gegensatz dazu, was man uns aus konservativen Kreisen immer weismachen möchte, hat die Öffentlichkeit, zumindest in Mitteleuropa, schon lange keine Bedenken mehr, was die gleichgeschlechtliche Ehe betrifft. Laut einer Umfrage des Market-Meinungsforschungsinstituts aus dem Jahr 2014 befürworten 73 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.
Daran können auch Dumpfbacken wie Bauernprolo Gabalier nichts ändern, der zwar nichts gegen Schwule hat, es aber doch begrüßen würde, wenn man „diese Sexualität“ in der Öffentlichkeit versteckt, „unseren kleinen Kindern zuliebe“.
Leider sind unsere österreichischen Volksvertreter, aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage, sich den Realitäten zu beugen. Denn so gut wie alle menschenrechtlichen Fortschritte zugunsten Homosexueller wurden in Österreich nicht durch Politikerbeschlüsse durchgesetzt, sondern durch EU-Richtlinien oder Höchstgerichts-Entscheide erzwungen.

Jedenfalls gibt es so gut wie kein Argument, das gegen die Öffnung der Ehe für alle spricht. Oft wird genannt, dass die Ehe einen Schutz der Familie darstellen würde. Sie wäre als Institution eine Union zwischen Mann und Frau und sehe die Fortpflanzung als zentrale Aufgabe. Diese mittelalterliche Ansicht sollte im 21. Jahrhundert schön langsam auch aus den Köpfen der verbohrtesten Politiker verschwinden. Das würde ja in weiterer Folge bedeuten, dass auch Hetero-Paare, die sich gegen Kinder entscheiden, kein Recht haben, zu heiraten. Und was ist mit jenen, die aus medizinischen Gründen keinen Nachwuchs zeugen können? Müssen die vor der Eheschließung ein ärztliches Attest vorlegen, und bekommen dann eine „Ausnahmsweise Erlaubnis“ ausgestellt? Einfach lächerlich! Menschen vorschreiben zu wollen, dass sie sich fortzupflanzen haben, wenn sie heiraten, ist ein Eingriff in die persönliche Freiheit jedes Einzelnen. Jeder Mensch hat das Recht, sein Leben so zu gestalten, wie es ihm gefällt. Ein weiteres, immer gern vorgebrachtes Argument, ist jenes, dass die Ehe für Alle die traditionelle Familie schwächen würde. Aber nur, weil man die Eheöffnung verhindert, wird kein einziger Schwuler plötzlich doch seine Meinung ändern, eine Frau heiraten und mit ihr ein Kind zeugen. Man schafft bei der Eheöffnung ja nicht die heterosexuellen Eheschließungen ab. Es wird deshalb nicht eine einzige Hetero-Ehe mehr oder weniger geben. Also ist dieses Argument völlig aus der Luft gegriffen und unhaltbar.

Ein weiteres, gern vorgebrachtes Argument, ist die Religion. Darauf will ich gar nicht weiter eingehen, denn wer im Jahr 2017 noch immer eine Anleitung für sein Leben in einem Buch zu finden glaubt, das vor ca 2000 Jahren von irgendwelchen zugedröhnten Tagelöhnern geschrieben wurde, sollte vielleicht einmal über ein paar Therapiestunden bei einem Psychotherapeuten nachdenken. Und wenn man es sogar in einem erzkatholischen Land wie Spanien schafft, die Homoehe durchzusetzen, sollten religiöse Pseudogefühle wirklich kein Hindernisgrund mehr sein.

Homosexuellen das Recht auf Eheschließung zu verweigern, bedeutet Diskriminierung. Wenn man eine offene und tolerante Gesellschaft sein will, muss man auch den letzten Schritt gehen. Zwei Menschen, die sich lieben, sollten auch das Recht haben, zu heiraten. Mit den gleichen Rechten und Pflichten, wie sie für heterosexuelle Paare ebenfalls gelten. Schwule und Lesben sind keine Menschen zweiter Klasse. Sie zahlen genauso Steuern wie alle anderen, erbringen Arbeitsleistung, fördern den Konsum, also sollte diese staatliche Diskriminierung endlich aufhören.

Die Laufmasche

Heute befasse ich mich mit einem Thema, das eine Alternative zu den üblichen Veröffentlichungen darstellt. Also keinerlei Erwähnung von Krieg, Terror, Asylanten, Extremisten, Hass, Populismus udgl. Ein Thema, so unschuldig wie ein frisch geschlüpfter Hundewelpe, und so harmlos wie die Stürmer der Österreichischen Fußballnationalmannschaft. Und doch ein Thema, das geeignet ist, so gut wie jede Frau emotional aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ladies and Gentlemen: Es geht um den schlimmsten Feind der strumpfhosentragenden Frau: Die Laufmasche!

Fast könnte sie einem Leid tun. Die Laufmasche ist verhasst. Man versucht alles, um ihr Auftauchen zu verhindern. Erscheint sie trotzdem auf der Bildfläche, und das tut sie irgendwann auf jeden Fall, es ist bloß eine Frage der Zeit, dann verbreitet sie blankes Entsetzen und Panik. So wie bei der gemeinen Zecke, bleibt ihre Existenzberechtigung weitestgehend im Verborgenen.

Obwohl, diese Behauptung ist nicht ganz richtig. Bekanntermaßen gibt es, hauptsächlich unter den Herren er Schöpfung, eingefleischte Strumpfhosenfetischisten. Manchen genügt der Anblick eines bestrumpften Frauenbeines bereits, andere erfahren wiederum eine Steigerung ihrer Erregung, wenn sie der Dame des Vertrauens beim Sex die Strumpfhose vom Leib reissen können. Die sind also eher entzückt beim Anblick einer Laufmasche, könnte man, ihrer Ansicht nach, doch ganz ungeniert dort weitermachen, wo das Unglück seinen Anfang(slauf) genommen hat…

Bei den Frauen jedoch steigt die Qualität des Ärgers parallel mit zunehmender Preisklasse der Strumpfhose. Sorgt eine Laufmasche in der € 2,90-Diskontstrumpfhose nur dann für Unbehagen, wenn man unterwegs ist und darauf vergessen hat, eine Ersatzstrumpfhose einzupacken (Merke: die Frau von Welt sollte immer ein zweites Stück dabei haben), erfährt das gleiche Missgeschick bei der € 49-Strumpfhose von Palmers eine ganz andere Dimension. Man geht beim Öffnen der Plastikverpackung wie beim Entschärfen einer Atombombe zu Werke, nur um in weiterer Folge, sobald man das erste Bein der Strumpfhose über den Fuß gezogen hat, erst recht den Erzfeind zu erblicken. Nun kann der Beobachter ohne Schwierigkeiten in die Tiefen der weiblichen Psyche hinabtauchen. Je nach Belastbarkeit der Frau wird man Zeuge von verhaltenem Kichern, das sich zu einem hysterischen, und immer verzweifelter klingendem Lachanfall entwickelt, oder es eröffnet sich einem ein bis dato im Verborgenen schlummerndes südamerikanisches Temperament, das sich durch lautes Schimpfen und Fluchen äussert, ohne dazwischen Luft zu holen. Dieser Vorfall ist also bestens geeignet, Verhaltens-studien an den Mädls dieser Welt durchzuführen. Es wundert mich, warum die Großen der Psychologie hier noch nicht tätig wurden.

Natürlich gibt es auch die sogenannten „Laufmaschenfreien“ Strumpfhosen. Sie versprechen ein Ende der Laufmaschen. Was natürlich trotzdem entstehen kann, sind Löcher. Und das nervt mindestens genauso, vor allem, wenn man eine schwarze Strumpfhose trägt, und plötzlich am Unterschenkel ein riesengroßes Loch klafft. So wie es mir schon mal passiert ist, als ich mit meiner Freundin im „Motto am Fluss“ zum Dinner zugegen war, natürlich aufgebrezelt mit einem Kleid, Pumps und schwarzer Strumpfhose. Flugs am Tischbein hängen geblieben, wo sich offenbar ein einziger kleiner Span vom übrigen Holz abgehoben hat, und schon war besagtes Loch an der Wade sichtbar. Natürlich hab ich immer eine Ersatzstrumpfhose in der Handtasche, also ging ich auf die Toilette und wechselte. Kaum nahm ich wieder am Tisch Platz – streifte ich erneut am Tischbein, und diesmal war das Loch sogar noch größer. Ok, man kann es auch Dummheit nennen, aber normalerweise zerstöre ich selten Strumpfhosen, zumindest nicht unabsichtlich 😉. Aber nach diesem Doppelmissgeschick war der Abend natürlich gelaufen, denn ich fühlte mich nun noch mehr beobachtet, und bildete mir ein, dass alle über mein schlampiges Äusseres herzogen und ich, stellvertretend für alle Transfrauen, in der Luft zerrissen wurde. Zu allem Überfluss trafen wir dann auch noch unseren Hausarzt samt Gattin, die uns an ihren Tisch einluden. Grundsätzlich sehr nett, aber ich fühlte mich natürlich extrem unwohl, weil unvollständig. Da kann einem die Psyche schon ziemliche Streiche spielen.

Und jetzt ein kleiner Exkurs für jene Männer, die ihre Frauen mit Fachwissen beeindrucken wollen: die Stärke bzw Dichte einer Strumpfhose wird in Den (Denier) eingeteilt. Denier bezeichnet die Stärke des Garns. Desto mehr Denier, desto blickdichter. Ein Den von 5-9 bezeichnet eine ultradünne Strumpfhose, ein Hauch von nichts, wo man fast befürchtet, sie reisst alleine vom Ansehen. Sie sind vor allem für den Sommer ideal. Ab 60 Den spricht man von blickdicht (Opaques), wo also von der Haut kaum bis gar nichts mehr zu sehen ist. Alles klar?

Grundsätzlich bin ich eine Befürworterin von Strumpfhosen. Ich finde, ausser bei Flip-Flops sollte Frau immer welche tragen. Strumpfhosen machen einfach schönere Beine. Und das macht uns in weiterer Folge doch alle glücklich, oder?